Zitatzeit

Da mir momentan selbst die Worte fehlen, bediene ich mich an denen, die andere geschrieben haben

„Be soft. Do not let the world make you hard. Do not let pain make you hate. Do not let the bitterness steal your sweetness. Take pride that even though the rest of the world may disagree, you still believe it to be a beautiful place.“

Zum ersten Mal bin ich in Schlachthof 5 über dieses Zitat gestolpert. Erst später habe ich erfahren, dass Kurt Vonnegut sich, ähnlich wie ich jetzt, die Worte eines anderen zu Nutze gemacht hat. Aber das ist auch kein Wunder, bei der großen Wahrheit, die der südafrikanische Autor Iain S. Thomas in so wenige Zeilen gepackt hat.

Besonders in turbulenten Zeiten, wie sie es jetzt gerade sind, brauche ich Momente, in denen ich innehalten kann und mir klar machen kann, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Ich brauche diese Momente, um meinen Glauben nicht aufzugeben. Den Glauben daran, dass die Welt nicht von Grund auf schlecht ist, dass sie sich ändern kann und dass auch ich, als kleines Menschlein unter vielen etwas bewegen kann. Und genau dort ist der Angriffspunkt, der diese Worte für mich so wichtig macht. Stolz sein, auf meinen Traum, auch wenn er so oft als Utopie abgestempelt wird und nicht in den Trott der Resignation fallen, der einen viel zu häufig umgibt. Ich möchte mich nicht entmutigen lassen, weil ich weiß, dass ich nicht allein mit meinen Träumen bin und das kämpfen nie umsonst ist, auch wenn der erträumte Ausgang ausbleibt.

Weiter durch die Welt mit offenem Herzen, frohen Mutes und den Worten von Iain S. Thomas immer im Hinterkopf!

Auf dem Meer

Seelenruhig
im Auge des Sturms
im Dunklen der Nacht
der Stille der Welt

Keine Welle
bewegt dein Boot
auf den tiefen Meeren
die Schmerz nicht entstellt

Wie ein Anker
eisern und schwer
versuchst du zu sichern
was allein nicht hält

Schwere Stürme
mein Schiff droht zu sinken
doch du macht sie stark
meine kleine Welt

Wo bist du nur?

Wohin bist du gegangen?
Warum konntest du nicht bleiben?
Wer hat entschieden,
dass es dabei bleiben würde?

Du bleibst in meinem Herzen
die Erinnerung wie eine Rose
so wunderschön,
doch die Berührung schmerzt

Ich halte jeden Gedanken an dich
so fest wie ich kann
aus Angst,
ich könnte dich vergessen

Es ist leer ohne dich
und doch bist du mein Grund
aufzustehen, weiterzugehen,
um deinem Leben gerecht zu werden.

Du fehlst mir so.

Der Gedanke,
dich zu verlieren,
füllt mein Herz
in jeder Sekunde

Es tut weh,
daran zu denken,
du könntest eines Tages
nicht wiederkommen

Es ist nicht so,
dass ich es nicht
verstehen würde,
doch es fällt schwer

Mit jeder Sekunde
fehlst du mir mehr
mein Herz ruft
und ich würde alles tun

nur um jetzt bei dir zu sein!

Wortbilder

Für einen kurzen Moment saß er ganz still, die Muskeln angespannt, als sie er kurz davor aufzuspringen und nahm all die Spannung auf, die sich in Sekundenbruchteilen aus dem Himmel entladen würde. Ein leises Beben lag in der Luft, die Wolken schimmerten gelblich, alles schien den Atem anzuhalten.

Der erste Blitz durchzuckte das Grau. Ein Lächeln stahl sich über sein Gesicht. Wie er es liebte, die Linien nachzuverfolgen, die das Licht über den Himmel zog, die Augen zu schließen und sie immer noch zu sehen. Wie Fotografien, Abbilder von Wimpernschlägen, gebannt auf der Innenseite seiner Lider und doch so schnell verblasst. Doch es fiel ihm nicht schwer, sie loszulassen. Das Donnergrollen trug sie fort, wie ein reißender Strom und der nächste Blitz brachte neue Bilder, weder schöner noch hässlicher als die vorherigen.

Er lauschte dem Prasseln des Regens, sog den Geruch feuchten Asphalts tief in seine Seele und dachte darüber nach, wie viel er aus diesen Gewittern lernen konnte. Sie waren wie das Leben, beängstigend, bedrohlich sogar und doch hatten sie eine unbeschreibliche Faszination, eine atemberauende Schönheit. Blitze wie Erinnerungen, die zu schnell verblasten und doch immer wieder neu geschrieben wurden, der Donner wie Rufe aus der Ferne, die so viel bedeuten mochten,  und sich doch nicht entschlüsseln ließen und der Regen, wie ein Schleier, der alles beruhigte,  alles reinigte  und ihm die Möglichkeit zum Neuanfang bot.

Ich

Ich habe mich verändert. Ziemlich schnell in letzter Zeit. Vielleicht ein bisschen zu schnell… Ich bin nicht mehr die Person, die ich mal war und der ich immer noch hinter her hänge. Nicht mehr die Person, die ich manchmal gerne noch wäre. Und auch immer noch nicht die Person, die ich gerne sein würde. Ich bin irgendwo dazwischen, irgendwo auf dem Weg zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen meinen Träumen und ihrem Fundament.

Ich finde mich selbst nicht. Finde mich nicht gut, wie ich jetzt bin. War nicht ich, wie ich vorher war besser? Und was heißt schon vorher? Ich bin am Zweifeln. Die Sorgen halten mich fest, viel zu sehr bedacht darauf, wie ich auf andere wirke. Ich gehe unter. Ich brauche Zeit, um mich daran zu gewöhnen, wer ich jetzt bin und was mich jetzt ausmacht, doch die Zeit scheint mir nicht gegeben zu sein. Erwartungen erdrücken mich, zwingen mich eine Rolle einzunehmen, die ich nie erfüllen kann, konnte und können werde.

Zwischen all diesen Ichs, ist mein Selbst verloren gegangen. Oder vielleicht bin ich sie auch alle ein bisschen. Oder keins von alledem. Ich schwimme in tiefen, stillen Wassern und ich suche nach dem Boden unter meinen Füßen. Die Sonne wird die Pfützen trocknen und dort am Grund werde ich sein. Wieder bei mir und mit mir im Reinen. Und doch unermüdlich arbeitend, um zu werden, wer ich gerne heute schon wäre und gestern hätte gewesen sein können.

In fallenden Blüten

In einem Schauer aus Blüten
steht sie ganz still
und wartet auf den,
der zu ihr kommen will

Ein Hauch von rosa
hüllt sie ein
der Blüten Wunsch ist
ihr nah zu sein

Sie steht so nah
und doch ist sie fern
so unerreichbar
doch seh ich sie gern

Ihr Schleier aus Blüten
verwischt den Blick
und langsam kehre ich
ins Leben zurück

Ich würde dir gern schöne Geschichten erzählen. Von strahlenden Feuern in dunkler Nacht, von endlosen Weiten, die es zu erkunden gilt. Ich würde dir gerne erzählen, von dem, was ich sehe, wenn ich auf sonnenüberfluteten Wiesen laufe oder zwischen unzähligen Bäumen, die ihre Kronen dem Himmel entgegenstrecken. Glaubst du mir das?

Aber da sind noch die Dinge, die ich dir erzählen muss. Die nicht in Worte gezwängt werden wollen und sich trotzdem jedes Mal vor das Bild legen, dass ich dir beschreiben möchte. Ich öffne mich dir, ich drehe meine Seele auf links, obwohl alles rebelliert, zwinge die Gedanken in Worte, die niemals groß genug sein können, für die Bedeutung, die sie haben sollten. Aber ich möchte nicht dein Mitleid, ich möchte Platz, um dir die Gedanken zu zeigen, die die Worte mit stolz tragen und sie auf leichten Schwingen emporheben und in der Dunkelheit zum Strahlen bringen. Glaubst du mir das?

Es wird heller um mich herum, ich bin befreit und die Geschichten kommen zurück. Ich nehme wieder wahr und kehre zurück in die Realität, die mein Kopf mir mit so vielen wundervollen Details ausschmückt. Ich bin dankbar. Glaubst du mir das?

Haltlos

Ein bodenloser Raum
ich falle
nichts was mir Halt geben kann

Das Leben zieht zu schnell am mir vorbei
„Bleib hier!“ will ich rufen,
doch die Worte verklingen,
sobald sie meinen Mund verlassen

Wie lange noch, wie weit noch?
Bis jemand kommt, der mich fangen kann
oder bis ich lerne mir meinen Boden selbst zu bauen

Abendsekunden

Das letzte Licht, dass die Sonne über den Horizont sandte, schimmerte leicht zwischen den Bäumen hindurch und färbte die Lichtung, auf der er stand in sämtliche Töne von rot und orange, die er jemals gesehen hatte. Für einen Moment schien die Zeit still zu stehen und mit ihr seine niemals enden wollende suche. Für einen Moment, so kurz er auch sein mochte, war er angekommen. Er stand dort, verloren und einsam und trotzdem war er so glücklich, wie er es schon lange nicht mehr gewesen war. Fast so als würde mit der Sonne alle Last zwischen den Bäumen verschwinden.

Nichts zog ihn mehr fort von diesem Ort. Irgendwas war hier, und es war sicher nicht nur das Licht, das ihm das Gefühl gab, bleiben zu wollen. Die Erkenntnis ließ für einen Moment sein Atmen stocken, so dass er sich fast zwingen musste, weiter zu atmen. Bleiben. Wie lange hatte er daran schon nicht mehr gedacht? Alle Orte, die er zuletzt gesehen hatte, waren immer wie Lichtblitze an ihm vorbeigezogen. Er hatte sie kaum wahrgenommen, geschweige denn jemals darüber nachgedacht, dass sie mehr sein könnten, als nur winzige Schritte auf einem endlos langen Weg.

Doch im Zauber diese winzigen Momentes, der nur den Bruchteil eines Blinzelns von Dauer war, fühlte er endlich, wonach er so lange orientierungslos gesucht hatte: Geborgenheit.