Stille

Irgendwo zwischen Himmel und Erde, dort, wo der Horizont zugleich endet und beginnt, gibt es einen Ort. Ein Dazwischen, dessen Raum- und Zeitlosigkeit jeden Raum auf ewig zu füllen vermag. Ein Dazwischen, von dem eine Anziehungskraft ausgeht, der keiner, der sie jemals auch nur erahnt hat, zu widerstehen vermag. Ihr mögt euch fragen, was es ist, das diesen raumlosen Raum eine solche Faszination verleiht. Was ist es, das einen dort erwartet?

Ich kann es euch sagen: Stille!

Eine wunderbare Stille, die so voller Widersprüche steckt, dass kein Mensch und auch kein anderes Wesen, das sie jemals vernommen haben könnte, zu umfassen versteht. Eine Stille, die einen in sanften Berührungen umgibt und gleichzeitig so schwer auf den Schultern lastet, dass sich jeder Wirbel unter ihrem Gewicht zu krümmen scheint. Eine Stille, die so wohltuend schmerzt, wie sie schmerzvoll heilt. Eine Stille, die so absolut ist, dass sie ohrenbetäubend schreit. Eine Stille, die so verletzlich ist und doch durch kein Wort gebrochen werden kann.

Spürt ihr sie, diese Stille? Fragt ihr euch: Wie kann das sein?

Dieser Raum, in dem sie wohnt, ist gar kein Raum. Er ist ein Spiegel. Ein Spiegel der gestaltlosen Menschlichkeit. Die Stille, sie ist die Stille, die einem jeden innewohnt. Was man an diesem Ort erfährt, ist ein Wesen, das jeden Menschen erfüllt und umgibt, das sich selbst zu erhalten scheint und das weder Zeit noch Raum braucht, um zu bestehen. So unerträglich und unwiderstehlich zugleich, dass man immer wieder danach sucht, ohne zu wissen, warum. Oder besser, ohne sich eingestehen zu wollen, warum.

Für jeden anders, für alle gleich.

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Schuld

Er hielt es kaum aus sie so zu sehen. Nichts hätte er lieber getan als zu ihr zu gehen, sie in die Arme zu schließen und ihr zu sagen, dass alles gut werden würde. Stattdessen musste er machtlos zusehen, wie sie mit gesenktem Blick vor dem Grab stand und weinte. Sie sollte wissen, dass sie keine Schuld trug. Sie hatte immer Recht gehabt, sie hatte es gewusst und er hatte ihr nie geglaubt. Er wollte ihr ein Zeichen geben, ihr seine Dankbarkeit zeigen, doch sie nahm es nicht wahr. Er hatte sie gebrochen. Das, was er als kindischen Aberglaube und verzweifelte Flucht vor der Angst bezeichnet hatte, war etwas ganz anderes. Es war viel mehr als nur eine Spinnerei.

Resigniert sah er der Blüte zu, die von ihrer Hand auf die Erde des Grabes segelte. Er zwang sich einen Schritt zu gehen, versuchte eine Blume aus dem Strauch zu nehmen, der auf der Grabplatte stand, um ihr zu zeigen, dass er da war, doch sie hatte sich schon abgewandt. Verzweifelt versuchte er ihr nachzulaufen und sie in seine kaum spürbare Umarmung einzuschließen, doch er fand die Kraft nicht. Mit ihrem Glauben schwand seine Existenz. Der Geist der ihn erfüllt hatte, verblasste weiter und weiter, ohne dass er etwas dagegen tun konnte. Er musste mit ansehen, wie es ihr schlechter und schlechter ging, wie sie immer weiter, immer tiefer fiel und konnte sie nicht auffangen.

Seit er sie verlassen hatte, war so viel passiert, von dem sie nichts bemerkt hatte. Sie hatte sich vor allem verschlossen, nahm nichts mehr von dem wahr, was um sie herum geschah. Jeden Tag versuchte er aufs Neue, ihr das zurückzugeben, was er ihr genommen hatte. Zu spät hatte er verstanden, worum es im Leben wirklich ging. Jetzt stürzte alles auf ihn ein. Ein dumpfer Schmerz, von dem er gedacht hatte, dass er ihn eigentlich nicht spüren sollte, erfüllte sein Herz. Er war kurz davor aufzugeben und sich der Schwäche hinzugeben, doch er wusste, wofür es sich zu kämpfen lohnte. Sie brauchte ihn jetzt, auch wenn sie es selbst nicht wusste. Er hatte nur noch eine Möglichkeit für sie da zu sein und die musste er nutzen.

Was das Leben wert ist

Denn was ist das Leben eigentlich wert? Ich glaube, es geht nicht um die Anzahl der Tage, die man in dieser Welt verbracht hat, sondern um die Anzahl der Momente, in denen man lebendig war und keinen Zweifel daran hatte, das Richtige zu tun. Im Falle meines Bruders liefen die meisten dieser Momente zwar in meiner Vorstellung ab, das heißt ja aber nicht, dass sie nicht da waren. Mit diesen Momenten ist es so ähnlich wie mit Feen. Alle sagen, es gibt keine Feen, so ist es ja eigentlich auch, aber trotzdem kann ich sie mir vorstellen. Wenn ich das Wort „Fee“ höre und die Augen schließe, habe ich schließlich auch ein Bild vor Augen, klar und deutlich. Sie mögen also in der Wirklichkeit der Welt, in der ich lebe, existieren in meiner eigenen, kleinen Wirklichkeit aber schon.

Das Leben ist nicht mehr als eine Reihe von ungreifbaren Dimensionen, geprägt durch die subjektiven Empfindungen eines jeden und dann übereinander gelegt zu einem Bild, das man bis ins kleinste Detail erforschen und erklären kann. Es gibt nur eine Sache, die außerhalb der Möglichkeit der Wissenschaft liegt. Sie wird die Dimensionen aus denen unsere Welt besteht niemals voneinander trennen können. Diese Welt, die wir mit all unseren Sinnen wahrnehmen, zeigt nur die Übereinstimmungen aller existenten Wirklichkeiten. Trotzdem heißt das nicht, dass man sich mit dieser Welt abfinden muss. Es spricht doch nichts dagegen ein wenig Fantasie zu haben. Für mich ist das ein tröstlicher Gedanke, vielleicht auch eine Art Anker, an dem ich mich festhalte, um nicht an der Endlichkeit des irdischen Lebens zu verzweifeln. Denn in meiner eigenen Wirklichkeit wird mein kleiner Bruder immer weiter leben. Jeder Moment und jeder verwirklichte Traum ist für immer Gegenwart. In meiner Wirklichkeit überwinde ich die Zeit und auch wenn das in dieser Welt niemals passieren wird, bringt allein die Vorstellung einen Hoffnungsschimmer.

Spieltheorie – Evolution of Trust

Vor kurzem bin ich über ein kleines Spiel zur Erklärung der Spieltheorie gestolpert, welches mich so sehr fasziniert hat, dass ich es hier vorstellen muss:
Evolution of Trust von Nicky Case (http://ncase.me/trust/)

Ein kleiner Erkundungstrip durch die Grundlagen der Spieltheorie, der in meinem Kopf ziemlich viele Gedanken angestoßen hatte.
Die Spieltheorie ist der ziemlich erfolgreiche Versuch der mathematischen Beschreibung von Entscheidungen, an denen mehrere Parteien beteiligt sind. Dies kann auf politischer und wirtschaftlicher Ebene erfolgen oder im Falle von Nicky Case auf einer zwar wirtschaftlichen, aber auch sehr persönlichen Ebene.
Zwei Parteien werden jeweils verschiedene Handlungsmöglichkeiten gegeben und für jede mögliche Kombination wird für jede Partei ein Gewinn bzw. Verlust festgelegt.

In Evolution of Trust treffen zwei „Spieler“ aufeinander. Beide haben die Möglichkeit eine Münze in einen Kasten zu werfen. Wirft man die Münze hinein, erhält der jeweils andere Spieler 3 Münzen aus dem Kasten. Die spannende Frage dabei: vertraut man darauf, dass der andere Spieler eine Münze hineinwirft und wirft selbst eine hinein, damit beide den gleichen Profit machen? Oder ist es nicht besser, darauf zu warten, dass der andere eine Münze einwirft und selbst seine Münze behalten, um mehr Profit zu schlagen?

Ich muss sagen, dies war der Punkt, an dem sich meine Gedanken in alle möglichen Richtungen vortasten. Denn dieses Prinzip, etwas zu geben um anderen Profit zu ermöglichen mit der Möglichkeit keine Gegenleistung zu erhalten oder schlimmer noch, sogar ausgenutzt zu werden, findet sich doch überall wie es scheint. Und traurigerweise kennen wir alle auch das Nicht-geben zur Steigerung des eigenen Profits.

Ich bin ein Mensch, der, wie viele sagen würden, eher blauäugig durch die Welt läuft. Ich glaube an das Gute in jedem Einzelnen. Und so oft ich an diesem Prinzip auch gescheitert bin, habe ich nie das Vertrauen in andere verloren. Weil ich es nicht verlieren will. Und dieses kleine, aber feine Spielchen, zeigt mir den Grund dafür, den ich schon immer wissen wollte, aber nie gefunden habe.

Um das ganze nicht zu sehr in die Länge zu ziehen: Viel Spaß beim selbst Erkunden!
Und wo wären wir, so ganz ohne Vertrauen in das Gute?

An ode to missed opportunities

Seeing clear
through all this smoke
holding near
what’s there to hold

Passing by
one at a time
You’ll take yours
and I’ll take mine

Follow your dreams
out in the storm
I’ll hold you tight
I’ll keep you warm

And if you ever
loose your way
I’ll be the place
where you can stay

Don’t let them make
your sweet heart cry
remember
when they’re passing by

that everytime
you close your eyes
new ones of them
hide in the rye

Don’t be afraid
to let them be
some of them need
to be set free

because someday
I’ll hope you see
the good
in missing opportunities.

Sommerwind

Sanft strich der Wind durch das hohe Gras unter seinen Füßen. Die Blüten, die sich vereinzelt, wie kleine Farbkleckse, um ihn herum verteilt der Sonne entgegen reckten, bebten wie unter einem angenehmen Schauer. Ihn ergriff ein seltsames Gefühl. Alles um ihn herum schien so lebendig, so bewegt und erfüllt. So wunderschön, dass er dieses Bild am liebsten eingefroren hätte, um es vor seiner Vergänglichkeit zu bewahren. Im Herbst würden die Blumen verwelken und die Grashalme verblassen und nichts würde das aufhalten können. Ein Winter würde auf den nächsten folgen und all das, was jetzt war, würde unbedeutend sein. Ein neuer Sommer würde kommen und neue Farben bringen. Er wusste das und fühlte sich ganz plötzlich einsam. Würde er auch so unbedeutend vorübergehen? Auf ihn würde eine ganze Reihe neuer Generationen folgen. Würde jemals irgendjemand seinen Namen nennen? Wahrscheinlich nicht. Er war wie die Blumen auf der Wiese zu seinen Füßen. Die Momentaufnahme eines Lebens und dieses Leben würde vorbeigehen, auf leisen Sohlen. Das einzige was bleiben würde, wären Abdrücke, sanft wie der Sommerwind, nicht mehr als ein leises Beben in der Unendlichkeit der Zeit.

Pflichtgefühl und Leidenschaft

Hier bin ich wieder! Mein letzter Beitrag ist schon etwas her und ich habe mir seither viel Zeit und Abstand von allem genommen, um das zu tun, was mich wirklich fasziniert.

Ich habe in den letzten Wochen eine, für mein Gefühl, sehr wichtige Erfahrung gemacht, für die ich mich noch nicht einmal von meinem Schreibtisch bewegen musste. Irgendwann saß ich da, vor etlichen dicken Büchern und Zusammenfassungen und habe gemerkt, dass es mir überhaupt nichts ausmacht, bis tief in die Nacht zu sitzen und zu lernen. Lange habe ich mich gequält und gezwungen bei der Sache zu bleiben und dann kam ich an den Punkt, an dem die Neugier das Pflichtgefühl in den Hintergrund schob.

Warum erzähle ich das hier? Weil es mir gezeigt hat, dass man niemals aufgeben sollte und an eine noch ganz andere wichtige Sache: das man immer hinterfragen sollte, ob das, was man tut, das richtige ist.

Ich habe lange gezweifelt, ob der Weg den ich gehe, tatsächlich zu mir passt. Ich war immer ein bisschen frustriert, immer gerade so am letzten Zipfel dabei und ehrlich gesagt: ich habe oft daran gedacht, einfach alles hinzuschmeißen. Aber das habe ich nicht. Wahrscheinlich weil ich einfach niemals den Mut dazu gehabt hätte.

Wenn man etwas findet, das einem Spaß macht, muss man niemals in seinem Leben auch nur einen Tag arbeiten.

So oder so ähnlich geht doch dieser Spruch. Meine logische Konsequenz daraus: wenn ich mich nur noch zwinge jeden Tag aufzustehen, wenn ich viel zu oft das Gefühl habe, dass das alles doch gar keine Zukunft hat, dann sollte ich damit aufhören und mir etwas suchen, in dem ich aufgehen kann.

Aber das habe ich nicht, weil ich, und ich glaube so geht es vielen, einfach nicht den Schneid hatte einen Schlussstrich zu ziehen. Natürlich ist das für mich etwas anderes, als für jemanden, der darauf angewiesen ist, einen bestimmten Job zu behalten oder aus anderen Gründen einfach nicht aufhören kann, aber ich hätte es gekonnt. Ich hätte aufhören können, wenn ich nur gewollte hätte, wenn ich nur den Mut dazu gehabt hätte.

Ich habe nicht aufgehört und jetzt bin ich sehr froh darüber. Nach all den Zweifeln kam der Moment, in dem plötzlich eine Frage in meinem Kopf auftauchte.

Wie lange habe ich mich selbst davon abgehalten, zu merken, wie sehr ich das mag, was ich tue?

Ich halte das alles absichtlich etwas allgemeiner, damit sich jeder vielleicht seinen Happen suchen kann, mir ist aber durchaus bewusst, dass dieser Fall mich sehr konkret betrifft und sehr persönlich auf meinen Weg zielt. Dennoch wollte ich meinen Gedankengang, wenn auch verworren, irgendwie festhalten.

Die Schlussfolgerung des Ganzen: vielleicht ist es manchmal gar nicht so schlimm, nicht den Mut zu haben, den man bräuchte und vielleicht findet man gar nicht so selten den großen Sinn in den kleinsten Dingen und Momenten.

 

Zitatzeit

Da mir momentan selbst die Worte fehlen, bediene ich mich an denen, die andere geschrieben haben

„Be soft. Do not let the world make you hard. Do not let pain make you hate. Do not let the bitterness steal your sweetness. Take pride that even though the rest of the world may disagree, you still believe it to be a beautiful place.“

Zum ersten Mal bin ich in Schlachthof 5 über dieses Zitat gestolpert. Erst später habe ich erfahren, dass Kurt Vonnegut sich, ähnlich wie ich jetzt, die Worte eines anderen zu Nutze gemacht hat. Aber das ist auch kein Wunder, bei der großen Wahrheit, die der südafrikanische Autor Iain S. Thomas in so wenige Zeilen gepackt hat.

Besonders in turbulenten Zeiten, wie sie es jetzt gerade sind, brauche ich Momente, in denen ich innehalten kann und mir klar machen kann, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Ich brauche diese Momente, um meinen Glauben nicht aufzugeben. Den Glauben daran, dass die Welt nicht von Grund auf schlecht ist, dass sie sich ändern kann und dass auch ich, als kleines Menschlein unter vielen etwas bewegen kann. Und genau dort ist der Angriffspunkt, der diese Worte für mich so wichtig macht. Stolz sein, auf meinen Traum, auch wenn er so oft als Utopie abgestempelt wird und nicht in den Trott der Resignation fallen, der einen viel zu häufig umgibt. Ich möchte mich nicht entmutigen lassen, weil ich weiß, dass ich nicht allein mit meinen Träumen bin und das kämpfen nie umsonst ist, auch wenn der erträumte Ausgang ausbleibt.

Weiter durch die Welt mit offenem Herzen, frohen Mutes und den Worten von Iain S. Thomas immer im Hinterkopf!

Auf dem Meer

Seelenruhig
im Auge des Sturms
im Dunklen der Nacht
der Stille der Welt

Keine Welle
bewegt dein Boot
auf den tiefen Meeren
die Schmerz nicht entstellt

Wie ein Anker
eisern und schwer
versuchst du zu sichern
was allein nicht hält

Schwere Stürme
mein Schiff droht zu sinken
doch du macht sie stark
meine kleine Welt

Wo bist du nur?

Wohin bist du gegangen?
Warum konntest du nicht bleiben?
Wer hat entschieden,
dass es dabei bleiben würde?

Du bleibst in meinem Herzen
die Erinnerung wie eine Rose
so wunderschön,
doch die Berührung schmerzt

Ich halte jeden Gedanken an dich
so fest wie ich kann
aus Angst,
ich könnte dich vergessen

Es ist leer ohne dich
und doch bist du mein Grund
aufzustehen, weiterzugehen,
um deinem Leben gerecht zu werden.